Zehn Jahre Vorbild

die Ausgezeichneten zeigen ihre Urkunden
Urkunden für ausgezeichnete Einstellungspolitik. Foto: KVJS

KVJS verleiht erstmals Nachhaltigkeitspreis an fünf behindertenfreundliche Unternehmen aus Baden-Württemberg

 

Stuttgart. Seit zehn Jahren sind sie engagiert bei der Sache: Der Kommunalverband für Jugend und Soziales hat fünf Unternehmen mit dem neuen Preis für langjähriges Engagement bei der Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen ausgezeichnet. Damit verbunden sind Prämien von jeweils 1.000 Euro.

Verbandsdirektor Senator e. h. Prof. Roland Klinger lobte die Preisträger als „Unternehmen, die beweisen, dass eine soziale Unternehmenskultur kein Hemmschuh, sondern ein Erfolgsfaktor sein kann.“ Allen Preisträgern ist gemeinsam, dass sie mehr Menschen mit Handicap beschäftigen, als vorgeschrieben. In Baden-Württemberg sind 21.365 Unternehmen mit mehr als 20 Arbeitsplätzen verpflichtet, schwerbehinderte Mitarbeiter zu beschäftigen. Davon kommen 11.811 Unternehmen ihrer Pflicht nicht oder nur unzureichend nach.

„Die Quote der Besetzung von Pflichtarbeitsplätzen mit schwerbehinderten Arbeitnehmern mit fünf Prozent wird in Baden-Württemberg leider nur zu 4,4 Prozent erfüllt“, erklärte Prof. Klinger. „Die Preisträger sind ein Vorbild, dem der KVJS viele Nachahmer wünscht. Denn in Baden-Württemberg liegt die allgemeine Arbeitslosenquote bei 3,6 Prozent und die für schwerbehinderte Menschen bei 7,2 Prozent, das betrifft 15.534 Menschen.“

Der Verbandsdirektor wies darauf hin, dass nach dem aktuellen Bundesteilhabebericht 80 Prozent der Menschen ohne Beeinträchtigungen im erwerbsfähigen Alter erwerbstätig sind, aber nur 49 Prozent der Menschen mit Beeinträchtigungen. Es sei daher nicht verwunderlich, dass das Armutsrisiko der Menschen mit Behinderung bei etwa 20 Prozent liege und damit deutlich über dem der Menschen ohne Beeinträchtigungen. Klinger: „Umso wichtiger ist es, dass wir engagierte Unternehmen haben, die sich diesem Trend entgegenstellen und nachhaltig Leuchttürme für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung in Baden-Württemberg sind.“

Die einzelnen Preisträger sind:
• Daimler AG, Mercedes-Benz Werk Gaggenau mit Getriebewerkstatt Rastatt
• Hugo Kern und Liebers GmbH und Co. KG, Schramberg
• Freie Waldorfschule Freiburg St. Georgen, Freiburg
• Pflegeheim Neckargemünder Hof, Neckargemünd
• Helmut Schneider GmbH, Künzelsau-Amrichshausen

Das Mercedes-Benz Werk Gaggenau inkl. seines Werksteils Rastatt investiert viel Engagement, Willen und Geduld, um schwerbehinderte Mitarbeiter zu halten und deren Arbeitsbedingungen zu verbessern. Vor allem bei der Prävention und dem Betrieblichen Eingliederungsmanagement sowie den Begleitenden Hilfen ist das Unternehmen vorbildlich.

KERN-LIEBERS ist als mittelständisches Familienunternehmen ein globaler Technologieführer zur Herstellung hochkomplexer Teile und Baugruppen mit Schwerpunkten in Federn und Stanzteilen. Die Firma gibt auch Personen mit geistigen und psychischen Einschränkungen eine Chance und unterstützt ihre Mitarbeiter mit Behinderung vorbildlich. Vor kurzem erst wurden etwa für einen Rollstuhlfahrer ein behinderungsgerechter separater Parkplatz geschaffen und die Zugänge zu seinem Arbeitsplatz barrierefrei gestaltet.

Die Freie Waldorfschule St. Georgen beschäftigt Menschen mit geistiger Behinderung und bietet außerdem Praktika zur beruflichen Orientierung: Ständig stehen drei Plätze für Sonderschüler und Beschäftigte aus Werkstätten für behinderte Menschen bereit.

Seit Juli 1990 wird der Neckargemünder Hof als privates Pflegeheim in Neckargemünd geführt. Derzeit werden 100 Bewohner pflegerisch versorgt. Aktuell arbeiten dort elf schwerbehinderte Menschen, acht von ihnen schon länger als zehn Jahre. Das entspricht einer Schwerbehindertenquote von 13,75 Prozent. Auch hier bekommen Praktikanten mit Behinderung regelmäßig die Chance, die Arbeitswelt kennen zu lernen.

Die Firma Helmut Schneider GmbH produziert und vertreibt weltweit Vliestöpfe für den Gartenbau. Das Familienunternehmen mit sieben Mitarbeitern wäre als Kleinbetrieb nicht verpflichtet, Menschen mit Handicap einzustellen und doch haben drei Mitarbeiter einen Schwerbehindertenausweis. Im Betrieb herrscht eine familiäre Atmosphäre. Auch die gute Zusammenarbeit mit dem Integrationsfachdienst  spricht für das außergewöhnliche Engagement der Firma.