24.05.2012

My Smart Home is my Castle

KVJS-Fachtag auf der Messe „Pflege & Reha 2012“ öffnet den Blick für Technik im Alter


Stuttgart. Wie können sich Menschen im Alter – oder mit Behinderungen – selber helfen; wie können sie moderne Technik sinnvoll mit sozialen Dienstleistungen verbinden, um möglichst lange eigenständig zuhause leben zu können? Der KVJS-Fachtag „My smart home is my castle“ hat Konzepte des Ambient Assisted Living vorgestellt, mit denen der drohende Pflegenotstand entschärft werden könnte. Doch auf dem Markt ist die Kombination aus Technik und sozialen Dienstleistungen noch wenig verbreitet.

Auf dem Herd köchelt noch Suppe oder das Bügeleisen ist noch an: Moderne Tür-Terminals signalisieren dem Bewohner vor dem Verlassen der Wohnung, welche elektrischen Geräte möglicherweise ein Problem darstellen. Um wirklich sicher zu gehen, schaltet sich alles automatisch ab, sobald die Haustür ins Schloss fällt. Intelligente Schuhe zeichnen das Laufverhalten auf, Fußmatten registrieren, ob eine Person aus dem Bett steigt oder dabei stürzt. Passiert ein Unfall, geht ein Funksignal zum ambulanten Dienst in der Nachbarschaft. Menschen, die zu wenig trinken oder einen labilen Kreislauf haben, können eine Uhr anlegen, die mitzeichnet: Wasser-Zufuhr, Herzfrequenz, Puls, Bewegung. Sollte etwas aus dem Tritt geraten – oder ein Patient morgens nicht aufstehen, meldet sich ein Signal bei einem sozialen Dienstleister oder Ärzteteam.

Ideen finden Akzeptanz - besonders bei Frauen
 

Ideen, die Technik und soziale Dienstleistungen miteinander verknüpfen und Menschen das Leben komfortabler und sicherer machen, gibt es reichlich. Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass sie Akzeptanz finden: „Die meisten älteren Menschen würden sich im Alter Technik zunutze machen, um länger zuhause leben zu können“, berichtet Dr. Eva Schulze, Geschäftsführerin des Berliner Instituts für Sozialforschung. „Vor allem Frauen würden das der Pflege durch die Kinder oder einem Umzug ins Heim vorziehen.“

Immer öfter arbeiten soziale Dienstleister und Bauträger zusammen. Sie statten Wohnungen technisch so aus, dass auch Menschen mit Beeinträchtigungen zuhause leben können und eingebunden sind in das soziale Leben. „Allerdings wird die Technik noch kaum nachgefragt: Sie ist zu wenig bekannt“, sagt Anton Zahneisen, Geschäftsführer der SOPHIA Consulting & Concept GmbH. SOPHIA stattet Wohnungen mit modernen Notrufsystemen aus und sucht sich soziale Kooperationspartner, die den Service bieten.

Wer seine Wohnung alters- oder behindertengerecht ausstatten will, muss lange recherchieren und selber einschätzen, was sinnvoll und günstig ist. Es fehlt an unabhängigen Beratungsstellen und Informationsplattformen. Netzwerke aus Dienstleistern, Bauträgern und der örtlichen Infrastruktur müssen langsam aufgebaut werden. Im Alleingang ließe sich ein sinnvolles Quartierskonzept nicht realisieren, weiß Dorothea Kuhlen, die als Geschäftsführerin des Bauträgers TICO technisch ausgestattete Wohnprojekte realisiert: „Man kann Wohnungen nur intelligent einrichten, wenn alle im Ort mitspielen: Die Gemeinde, die den Busverkehr in die Stadt regelt, der Supermarkt, der Ware anliefert, der Friseur oder Vereine, die Hausbesuche machen.“

KVJS unterstützt alte Menschen


Der Fachtag war Teil einer Tagungsreihe, mit der der Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) seit 1996 auf der Messe Pflege & Reha vertreten ist. „Die Menschen müssen sich im Klaren sein, dass die Pflegeversicherung schon heute bloß eine Teilkasko-Versicherung ist, die nicht die vollen Heimpflegekosten trägt“, sagt Verbandsdirektor Prof. Roland Klinger. „Ansätze des Ambient Assisted Living bieten da sinnvoll ergänzende Technologien in der  Alten- und Behindertenhilfe.“ Der KVJS bündelt in der Sozialplanung kreisübergreifende Aspekte und bietet als Dienstleistungszentrum für die 44 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg örtlichen Pflegeplanern konkret Hilfe. Unter anderem unterstützt er das selbständige Wohnen und die Lebensqualität im Alter – zum Beispiel mit der Werkstatt Wohnen in Stuttgart, einer Musterwohnung mit Ausstellungsmodellen, in der Fachleute Verbraucher beraten und technische Lösungsansätze präsentieren.

 


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