Nachhaltig behindertenfreundlich

v.li. Armin Elbl, Bürgermeister Wernau; Firmeninhaber Jürgen Prakesch, sein Geschäftsführer Axel Egerer; Reinhard Hackl, Kreisbehindertenbeauftragter Böblingen; Roland Bernhard, Landrat Böblingen; Verbandsdirektor Prof. Roland Klinger, Sylvia Knöpfle, Firmeninhaber Arno Knöpfle; Foto: Monika Kleusch

Seit ihrer Auszeichnung als „beispielhaft behindertenfreundliche Arbeitgeber“ haben drei von fünf Preisträgern an ihrer sozialen Unternehmenskultur festgehalten und in vorbildlicher Weise Menschen mit Behinderungen beschäftigt. Sie wurden nun mit dem Nachhaltigkeitspreis des KVJS geehrt.

„Sie beweisen, dass eine soziale Unternehmenskultur auch ein Erfolgsfaktor sein kann“,  würdigte Senator e. h. Prof. Roland Klinger als Verbandsdirektor des KVJS die neuen alten Preisträger. „Das ist leider nicht allen Preisträgern des Jahres 2007 gelungen.“ Umso erfreulicher sei, dass die Jürgen Prakesch Zerspanungstechnik aus Wernau, Knöpfle Design aus Titisee-Neustadt und das Landratsamt Böblingen weiterhin mit gutem Beispiel vorangehen.

Allen Preisträger ist gemeinsam, dass sie mehr Menschen mit Handicap beschäftigen, als gesetzlich vorgeschrieben und dass sie jungen Menschen als Praktikanten eine Chance geben. In Baden-Württemberg gibt es 21.858 Unternehmen mit mehr als 20 Arbeitsplätzen, die verpflichtet sind schwerbehinderte Mitarbeiter zu beschäftigen. Davon kommen 12.228 Unternehmen ihrer Pflicht nicht oder nur unzureichend nach. Prof. Klinger: „Die Preisträger des Nachhaltigkeitspreises bieten ein Vorbild, dem der KVJS viele Nachahmer wünscht.“

Das Landratsamt Böblingen
Ein Qualitätsmerkmal bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen  ist die gute Zusammenarbeit des Landratsamtes  mit dem Integrationsfachdienst (IFD), der im Auftrag des KVJS arbeitet. Das Landratsamt Böblingen bietet mit Beteiligung des IFD seit 2015 im strukturierten Stil Praktikumsplätze für Schüler an. Daraus ergaben sich vier neue Stellen für wesentlich behinderte Menschen. In jüngster Zeit wurden drei Arbeitsplätze für blinde und sehbehinderte Mitarbeiter den technischen Neuerungen angepasst. Insgesamt liegt die Beschäftigungsquote von schwerbehinderten Menschen bei 6,45 Prozent. Das ist höher, als vor zehn Jahren, als sie bei guten 5,82 Prozent lag.

Besonders für Schulabgänger mit Behinderungen engagiert sich das Landratsamt. 2017 organisierte seine Schwerbehindertenvertretung gemeinsam mit dem Beauftragten für Menschen mit Behinderung im Landkreis  eine Informationsveranstaltung zu Beschäftigungs- und Unterstützungsmöglichkeiten für Arbeitgeber in Leonberg.

Die Jürgen Prakesch Zerspanungstechnik GmbH aus Wernau
Das Unternehmen beschäftigt über 60 Mitarbeiter an fünf Standorten. Vier von ihnen haben einen Schwerbehindertenausweis. Das entspricht einer vorbildlichen  Beschäftigungsquote von 6,4 Prozent. Das Unternehmen ermöglicht immer wieder jungen Menschen als Praktikanten die Arbeitswelt kennen zu lernen. Dazu zählen auch Schüler mit geistiger Behinderung oder sozialen Auffälligkeiten.

Das Unternehmen pflegt eine sehr gute und enge Zusammenarbeit mit dem Integrationsfachdienst, dem KVJS-Integrationsamt und dem Technischen Beratungsdienst. Mit deren fachlicher Unterstützung sind die Arbeitsplätze der Menschen mit Behinderungen auch langfristig gesichert.

Knöpfle Design aus Titisee-Neustadt
Die Firma ist ein Spezialist für Fahrzeuglackierung und Beschriftung, Sonder- und Industrielackierung und Karosseriearbeiten. Als Kleinunternehmen mit sieben Mitarbeitern müsste die Firma keine schwerbehinderten Menschen beschäftigen und doch sind es drei – seit vielen Jahren.

Als bei einem von ihnen die gesundheitlichen Einschränkungen zunahmen, wurde in Zusammenarbeit mit dem KVJS-Integrationsamt eigens für ihn das Geschäftsfeld der Fahrzeugaufbereitung neu geschaffen. Die Firma stellt als sozial engagiertes Unternehmen auch immer wieder Praktikumsplätze für benachteiligte Jugendliche bereit.