Antragsfomular Schulsozialarbeit 2017/2018

Die Bereitstellung des Formulars hat sich aufgrund der Abstimmungsgespräche zwischen dem Land und den Kommunalen Landesverbänden im Rahmen des "Pakts für Integration" zeitlich verzögert. 

Mit dem zwischen dem Land und den Kommunalen Landesverbänden vereinbarten "Pakt für Integration" werden den Kommunen in Baden-Württemberg 2017 und 2018 insgesamt 320 Millionen Euro zur Verfügung gestellt (180 Millionen für die Kosten der Anschlussunterbringung/ 140 Millionen Euro für konkrete Integrationsmaßnahmen vor Ort).    

Für die Schulsozialarbeit sind dabei 2017 und 2018 jeweils zusätzlich 2,5 Millionen Euro eingestellt worden, um "dem erhöhten Bedarf für Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung an öffentlichen Schulen" zu begegnen. 

Das Ministerium für Soziales und Integration hat dem KVJS- Landesjugendamt am 03.07.2017 mitgeteilt, dass dieser Passus "lediglich das politische Motiv für die temporäre quantitative Aufstockung der Mittel für die Schulsozialarbeit beschreibt, bezogen auf die jeweilige Zuwendung aber keine konkrete Verwendung beabsichtigt und keine nachprüfbaren spezifischen Voraussetzungen verlangt". 

Folglich gelten auch bezüglich dieser Mittel die allgemeinen Fördergrundsätze (Grundsätze des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg zur Förderung der Jugendsozialarbeit an öffentlichen Schulen vom 28. November 2016). Es werden also keine speziellen Anforderungen hinsichtlich der Zuwendungsvoraussetzungen und der Nachprüfbarkeit erhoben. Das Formular zur Landesförderung der Schulsozialarbeit 2017/2018 finden Sie hier.

Schulsozialarbeit

Jugendsozialarbeit an Schulen (im Folgenden „Schulsozialarbeit“ genannt) ist ein ganzheitliches, lebensweltbezogenes und lebenslagenorientiertes Leistungsangebot der Kinder- und Jugendhilfe am Ort der Schule.
Schulsozialarbeit fördert junge Menschen in ihrer individuellen, sozialen und schulischen Entwicklung. Sie berät und unterstützt Erziehungsberechtigte sowie Lehrkräfte und trägt dadurch zur Vermeidung bzw. zum  Abbau von Bildungsbenachteiligungen bei. Hierzu dient auch die Bildung einer fördernden Umwelt für junge Menschen. Die Schulsozialarbeit arbeitet in Netzwerken zusammen mit Schulen, Eltern sowie relevanten Institutionen und Initiativen des Gemeinwesens.

In Baden-Württemberg steigt der Bedarf an Schulsozialarbeit. Die aktuellen Zahlen finden Sie in unserer Berichterstattung (siehe rechte Randleiste).

Das KVJS-Landesjugendamt unterstützt die Schulsozialarbeit durch

  • Anregungen und Tipps für die tägliche Arbeit
  • Beratung bei fachlichen Fragen und rechtlichen Aspekten
  • Austausch und Information durch landesweite Jahrestagungen, Fachforen, Seminare und Fortbildungen
  • Publikationen (u.a. Arbeitshilfen, Broschüren)
  • Förderung von Modellvorhaben zur Weiterentwicklung der Jugendhilfe
  • Unterstützung und Beratung bei Fragen zum Landesförderprogramm

Ihr Kontakt zu uns

Claudio De Bartolo

Telefon: 0711 6375-569

Ansprechpartner für Fragen zum Förderprogramm

Sabine Krempelhuber

(Erreichbar: Dienstag und Donnerstag ganztags, Mittwoch am Vormittag)

Telefon: 0711 6375-782

Sara Jörger

Telefon: 0711 6375-702

Landesförderung der Jugendsozialarbeit an öffentlichen Schulen

Antragsformular für 01.08. 2017- 31.07.2018 

Fördergrundsätze des Landes. 

Aktuelle Informationen zur Landesförderung von Jugendsozialarbeit an öffentlichen Schulen (Schulsozialarbeit)

Schulsozialarbeit in Baden-Württemberg

Materialien zur Jahrestagung Schulsozialarbeit 2016 in Bad Boll finden Sie hier

Unterlagen zu den Jahrestagungen der vergangenen Jahre finden Sie hier:

Tagungsunterlagen Archiv 

Jahrestagungen Schulsozialarbeit 2017

13./14.11.2017 in Bad Boll

 

27./28.11.2017 in Gültstein

Qualitätsentwicklung in der Schulsozialarbeit

Jugendliche im großen Strom

Fachtagung „Wie ticken Jugendliche 2016?“ im EJW-Tagungszentrum Bernhäuser Forst

 

„Die heutigen Jugendlichen sind mehr Mainstream, aber ganz gewiss nicht schlechter als ihre Eltern“, sagte Peter Martin Thomas, Leiter der SINUS:akademie, bei der Tagung „Wie ticken Jugendliche 2016?“ der Akademie der Jugendarbeit Baden-Württemberg.  Zu ihr waren etwa 100 Mitarbeiter der kommunalen und kirchlichen Jugendarbeit aus dem ganzen Land in den Bernhäuser Forst, dem Tagungszentrum des Evang. Jugendwerks in Württemberg, gekommen.

In sieben „Kartoffeln“ gliedert auch die neue SINUS-Jugendstudie 2016 die Lebenswelten Jugendlicher von 14-17 Jahren: von konservativ-bürgerlich  bis experimentierfreudig, von prekär bis hoch gebildet und sozial-ökologisch orientiert. „Der einzelne Jugendliche ist komplexer“, betonte Thomas beim spannenden Einführungsreferat. „Das ist keine Persönlichkeitstypologie, das ist ein Zielgruppenmodell.“

In fünf Themeninseln ging es darum, wie die Jugendarbeit auf die Ergebnisse der Studie reagiert. Besonders schnell ist der Wandel bei den digitalen Medien: Kaum ist Facebook in der Jugendarbeit angekommen, sind die Jugendlichen schon wieder weg davon. „Nach vier Jahren Hype ist das schon wieder out“, sagte Thomas. Der Buchdruck habe sich in 200 Jahren durchgesetzt, das iPhone in weniger als zehn Jahren. Die größte Konstante in einer belebten Kindheit zwischen Finanzkrise, NSU-Skandal und Flüchtlingen heiße Angela Merkel.

Die Erkenntnisse der neuen qualitativen Studie lassen Jugendliche besser verstehen. Warum sind die Jugendlichen immer mehr Mainstream? Das liege daran, dass die Welt immer unübersichtlicher werde. Im großen Strom sei das Leben viel einfacher. Normalsein sei okay, Mainstream kein Schimpfwort mehr. Auch das Bildungssystem begünstige und fördere diese Ausrichtung. Wenn so vieles akzeptiert sei, sei es sehr schwer, etwas zu tun, das nicht mehr Mainstream sei. Daraus folge auch ein entspanntes Verhältnis zwischen den Generationen: Sie trügen die gleiche Kleidung und hörten dieselbe Musik. „Meine Musik wird akzeptiert, ich darf die Freundin mitbringen, bekomme zu essen und die Wäsche gewaschen, warum soll ich da von zuhause ausziehen?“

Die Eltern, so Thomas, seien auch die wichtigsten Vorbilder bei der Partnerschaft, positiv und negativ. Gefragt seien Vertrauen, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit. Ziel sei, eine stabile Partnerschaft bis zum Alter von 35 Jahren „geschafft zu haben“. Bildungsnahe Lebenswelten legten großen Wert auf eine Beziehung auf Augenhöhe. „Postmodernen Jugendlichen ist die Persönlichkeitsentfaltung wichtig. Man will sich nicht dauernd dafür rechtfertigen müssen, was man tut.“ Religion spiele bei Partnerschaften und in Freundschaften keine Rolle – außer bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund und religiös Sozialisierten. „Die Toleranz hier ist seit 2012 eher gestiegen.“ Jugendliche nehmen religiöse Konflikte war und lehnen religiös motivierte Gewalt durchweg ab. Nationalität ist für die Jugendlichen nicht so wichtig, Freundeskreise sind oft multireligiös und multikulturell.

Das geschichtliche Interesse gilt vor allem dem Nationalsozialismus. „Was danach kommt, ist Gegenwart und findet in der Schule nicht statt.“ Der Klimawandel scheint weit weg, Umweltschutz ist kein Argument für die Busfahrt, „aber wenn der Bus WLAN hat“. Faire Kleidung ist aus Sicht der Jugendlichen „zu teuer, zu kompliziert und sieht scheiße aus“. Wer Jugendlichen mit Umweltschutz kommt, so ein Ergebnis der Themeninsel „Nachhaltigkeit“, sollte auf keinen Fall den Verzicht betonen.

Vom Smartphone sind Jugendliche in bestimmten Situationen genervt, etwa wenn ein Klingeln alle Romantik zerstört. Sie zeigen erste Anzeichen digitaler Sättigung, wollen nicht ständig noch mehr neue Geräte und Techniken. Jugendarbeit kann helfen, so ein Ergebnis der Themeninsel „Digitale Medien“, die Balance zwischen Sucht und Begeisterung zu finden, und mit der Angst, etwas zu verpassen und dem Stress der ständigen Erreichbarkeit umzugehen.

Unkonventionelle Ideen wurden auf der Themeninsel „Mobilität“ erarbeitet. Eine Landgemeinde könnte Jugendlichen einen Zuschuss zum Führerschein geben, wenn sie anschließend Fahrdienste übernehmen. Eine App hilft, freie Plätze im Elterntaxi zu belegen, eine Jugendkonferenz bringt junge Leute in die Straßenbahn und zu Problempunkten.

„Es ist gefährlich, sich religiös zu outen“, sagte Steffen Kaupp vom Evangelischen Jugendwerk in Württemberg in der Themeninsel „Glaube und Religion“. Die eigene christliche Einstellung werde daher von den Jugendlichen gleich wieder relativiert. Den Dreiklang „institutionelle Zugehörigkeit – persönlicher Glaube – aktives Mitwirken“ gebe es am ehesten noch im bürgerlich-konservativen Milieu. „Sonst sind das drei getrennte Zahnräder.“ Entscheidend für die religiöse Entwicklung sei die Familie: „Wer Jugendarbeit betreibt, muss deshalb auch Elternarbeit betreiben.“

Am Ende präsentierten alle Themeninseln, die fünfte widmete sich dem Thema „Flucht und Asyl“, ihre Ergebnisse in einer kleinen Ausstellung, deren Vernissage zugleich Finisage war. Das anschaulichste Objekt war der historische Medienkoffer von der Themeninsel „Digitale Medien“. Denn die Selbstreflexion gehörte für die Jugendmitarbeiter dazu: Welche Medien haben mich selbst als Kind geprägt - bekomme ich etwa beim Walkman leuchtende Augen?

Peter Dietrich