Schulsozialarbeit

Jugendsozialarbeit an Schulen (im Folgenden „Schulsozialarbeit“ genannt) ist ein ganzheitliches, lebensweltbezogenes und lebenslagenorientiertes Leistungsangebot der Kinder- und Jugendhilfe am Ort der Schule.
Schulsozialarbeit fördert junge Menschen in ihrer individuellen, sozialen und schulischen Entwicklung. Sie berät und unterstützt Erziehungsberechtigte sowie Lehrkräfte und trägt dadurch zur Vermeidung bzw. zum  Abbau von Bildungsbenachteiligungen bei. Hierzu dient auch die Bildung einer fördernden Umwelt für junge Menschen. Die Schulsozialarbeit arbeitet in Netzwerken zusammen mit Schulen, Eltern sowie relevanten Institutionen und Initiativen des Gemeinwesens.

In Baden-Württemberg steigt der Bedarf an Schulsozialarbeit. Die aktuellen Zahlen finden Sie in unserer Berichterstattung (siehe rechte Randleiste).

Das KVJS-Landesjugendamt unterstützt die Schulsozialarbeit durch

  • Anregungen und Tipps für die tägliche Arbeit
  • Beratung bei fachlichen Fragen und rechtlichen Aspekten
  • Austausch und Information durch landesweite Jahrestagungen, Fachforen, Seminare und Fortbildungen
  • Publikationen (u.a. Arbeitshilfen, Broschüren)
  • Förderung von Modellvorhaben zur Weiterentwicklung der Jugendhilfe
  • Unterstützung und Beratung bei Fragen zum Landesförderprogramm

Kreative Schulsozialarbeit in der Praxis

Neuer Film: Kunsttherapeutische Elemente an der Braikeschule in Nürtingen

Schulsozialarbeit gilt heute als Qualitätsmerkmal für eine gute Schule. Von einer besonders kreativen Methode profitieren Grundschüler an der Braikeschule in Nürtingen. Dort ergänzen kunsttherapeutische Elemente die klassische Schulsozialarbeit.

Der neue Film des KVJS zeigt einen Ausschnitt aus der Arbeit der Kunsttherapeutin Anita Gremmelspacher. Hier können Sie den Film abrufen.


Ansprechpersonen für Fragen zum Förderprogramm Schulsozialarbeit

Sabine Krempelhuber

(Erreichbar: Dienstag und Donnerstag ganztags, Mittwoch am Vormittag)

Telefon: 0711 6375-782

Sara Jörger

Telefon: 0711 6375-702

Ansprechpersonen für inhaltliche Fragen und Fortbildungen zur Schulsozialarbeit

Claudio De Bartolo

Schulsozialarbeit

Telefon: 0711 6375-569

Riva Moll

Schulsozialarbeit

Telefon: 0711 6375-859

Landesförderung der Jugendsozialarbeit an öffentlichen Schulen (Schulsozialarbeit)

Antrag auf Förderung der Jugendsozialarbeit an öffentlichen Schulen

Informationsschreiben nach Art. 13 DS-GVO 

Fördergrundsätze des Landes. 

Aktuelle Informationen zur Landesförderung von Jugendsozialarbeit an öffentlichen Schulen (Schulsozialarbeit)

Schulsozialarbeit in Baden-Württemberg

Materialien zu der Jahrestagung Schulsozialarbeit 2017 Bad Boll

Materialien zu der Jahrestagung Schulsozialarbeit 2017 Gültstein

Unterlagen zu den Jahrestagungen der vergangenen Jahre finden Sie hier:

Tagungsunterlagen Archiv 

Jahrestagungen Schulsozialarbeit 2018

19./20.11.2018 in Bad Boll 

26./27.11.2018 in Bad Boll

Qualitätsentwicklung in der Schulsozialarbeit

Jugendliche im großen Strom

Fachtagung „Wie ticken Jugendliche 2016?“ im EJW-Tagungszentrum Bernhäuser Forst

 

„Die heutigen Jugendlichen sind mehr Mainstream, aber ganz gewiss nicht schlechter als ihre Eltern“, sagte Peter Martin Thomas, Leiter der SINUS:akademie, bei der Tagung „Wie ticken Jugendliche 2016?“ der Akademie der Jugendarbeit Baden-Württemberg.  Zu ihr waren etwa 100 Mitarbeiter der kommunalen und kirchlichen Jugendarbeit aus dem ganzen Land in den Bernhäuser Forst, dem Tagungszentrum des Evang. Jugendwerks in Württemberg, gekommen.

In sieben „Kartoffeln“ gliedert auch die neue SINUS-Jugendstudie 2016 die Lebenswelten Jugendlicher von 14-17 Jahren: von konservativ-bürgerlich  bis experimentierfreudig, von prekär bis hoch gebildet und sozial-ökologisch orientiert. „Der einzelne Jugendliche ist komplexer“, betonte Thomas beim spannenden Einführungsreferat. „Das ist keine Persönlichkeitstypologie, das ist ein Zielgruppenmodell.“

In fünf Themeninseln ging es darum, wie die Jugendarbeit auf die Ergebnisse der Studie reagiert. Besonders schnell ist der Wandel bei den digitalen Medien: Kaum ist Facebook in der Jugendarbeit angekommen, sind die Jugendlichen schon wieder weg davon. „Nach vier Jahren Hype ist das schon wieder out“, sagte Thomas. Der Buchdruck habe sich in 200 Jahren durchgesetzt, das iPhone in weniger als zehn Jahren. Die größte Konstante in einer belebten Kindheit zwischen Finanzkrise, NSU-Skandal und Flüchtlingen heiße Angela Merkel.

Die Erkenntnisse der neuen qualitativen Studie lassen Jugendliche besser verstehen. Warum sind die Jugendlichen immer mehr Mainstream? Das liege daran, dass die Welt immer unübersichtlicher werde. Im großen Strom sei das Leben viel einfacher. Normalsein sei okay, Mainstream kein Schimpfwort mehr. Auch das Bildungssystem begünstige und fördere diese Ausrichtung. Wenn so vieles akzeptiert sei, sei es sehr schwer, etwas zu tun, das nicht mehr Mainstream sei. Daraus folge auch ein entspanntes Verhältnis zwischen den Generationen: Sie trügen die gleiche Kleidung und hörten dieselbe Musik. „Meine Musik wird akzeptiert, ich darf die Freundin mitbringen, bekomme zu essen und die Wäsche gewaschen, warum soll ich da von zuhause ausziehen?“

Die Eltern, so Thomas, seien auch die wichtigsten Vorbilder bei der Partnerschaft, positiv und negativ. Gefragt seien Vertrauen, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit. Ziel sei, eine stabile Partnerschaft bis zum Alter von 35 Jahren „geschafft zu haben“. Bildungsnahe Lebenswelten legten großen Wert auf eine Beziehung auf Augenhöhe. „Postmodernen Jugendlichen ist die Persönlichkeitsentfaltung wichtig. Man will sich nicht dauernd dafür rechtfertigen müssen, was man tut.“ Religion spiele bei Partnerschaften und in Freundschaften keine Rolle – außer bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund und religiös Sozialisierten. „Die Toleranz hier ist seit 2012 eher gestiegen.“ Jugendliche nehmen religiöse Konflikte war und lehnen religiös motivierte Gewalt durchweg ab. Nationalität ist für die Jugendlichen nicht so wichtig, Freundeskreise sind oft multireligiös und multikulturell.

Das geschichtliche Interesse gilt vor allem dem Nationalsozialismus. „Was danach kommt, ist Gegenwart und findet in der Schule nicht statt.“ Der Klimawandel scheint weit weg, Umweltschutz ist kein Argument für die Busfahrt, „aber wenn der Bus WLAN hat“. Faire Kleidung ist aus Sicht der Jugendlichen „zu teuer, zu kompliziert und sieht scheiße aus“. Wer Jugendlichen mit Umweltschutz kommt, so ein Ergebnis der Themeninsel „Nachhaltigkeit“, sollte auf keinen Fall den Verzicht betonen.

Vom Smartphone sind Jugendliche in bestimmten Situationen genervt, etwa wenn ein Klingeln alle Romantik zerstört. Sie zeigen erste Anzeichen digitaler Sättigung, wollen nicht ständig noch mehr neue Geräte und Techniken. Jugendarbeit kann helfen, so ein Ergebnis der Themeninsel „Digitale Medien“, die Balance zwischen Sucht und Begeisterung zu finden, und mit der Angst, etwas zu verpassen und dem Stress der ständigen Erreichbarkeit umzugehen.

Unkonventionelle Ideen wurden auf der Themeninsel „Mobilität“ erarbeitet. Eine Landgemeinde könnte Jugendlichen einen Zuschuss zum Führerschein geben, wenn sie anschließend Fahrdienste übernehmen. Eine App hilft, freie Plätze im Elterntaxi zu belegen, eine Jugendkonferenz bringt junge Leute in die Straßenbahn und zu Problempunkten.

„Es ist gefährlich, sich religiös zu outen“, sagte Steffen Kaupp vom Evangelischen Jugendwerk in Württemberg in der Themeninsel „Glaube und Religion“. Die eigene christliche Einstellung werde daher von den Jugendlichen gleich wieder relativiert. Den Dreiklang „institutionelle Zugehörigkeit – persönlicher Glaube – aktives Mitwirken“ gebe es am ehesten noch im bürgerlich-konservativen Milieu. „Sonst sind das drei getrennte Zahnräder.“ Entscheidend für die religiöse Entwicklung sei die Familie: „Wer Jugendarbeit betreibt, muss deshalb auch Elternarbeit betreiben.“

Am Ende präsentierten alle Themeninseln, die fünfte widmete sich dem Thema „Flucht und Asyl“, ihre Ergebnisse in einer kleinen Ausstellung, deren Vernissage zugleich Finisage war. Das anschaulichste Objekt war der historische Medienkoffer von der Themeninsel „Digitale Medien“. Denn die Selbstreflexion gehörte für die Jugendmitarbeiter dazu: Welche Medien haben mich selbst als Kind geprägt - bekomme ich etwa beim Walkman leuchtende Augen?

Peter Dietrich