Reflektiert. Verbindend. Politisch.

Jahrestagung der Mobilen Jugendarbeit / Streetwork

 

Die diesjährige Jahrestagung der Mobilen Jugendarbeit / Streetwork fand vom 27. bis 29. April 2026 im Tagungszentrum Gültstein statt. Die gemeinsame Kooperationsveranstaltung der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Mobile Jugendarbeit/Streetwork Baden-Württemberg e. V. und des KVJS-Landesjugendamtes stand unter dem Motto „Mobile Jugendarbeit / Streetwork – Reflektiert. Verbindend. Politisch.“

 

Die Jahrestagung begann mit einer Begrüßung der Teilnehmenden durch Riva Moll (KVJS-Landesjugendamt) und Christiane Hillig (LAG Mobile Jugendarbeit/Streetwork Baden-Württemberg e. V.).

Das Programm der Jahrestagung wurde durch den Abendimpuls „Nah dran, klar bei mir – bewegte Impulse zur Selbstreflexion“ von Kathrin Ungerer eingeleitet. Die Referentin eröffnete einen Raum für persönliche und professionelle Reflexion. Im Mittelpunkt standen Fragen nach der eigenen Haltung, der Balance zwischen Nähe und Abgrenzung sowie der bewussten Wahrnehmung eigener Handlungsweisen im Arbeitsalltag. Durch interaktive und bewegungsorientierte Methoden wurden Impulse gesetzt, die zur Selbstverortung im professionellen Kontext anregten und zur weiteren Auseinandersetzung während der Tagung einluden.

 

Der zweite Veranstaltungstag begann mit dem traditionellen Markt der Möglichkeiten im Foyer. Präsentationen aus der Praxis, darunter Projektdokumentationen, Fotos, Jahresberichte und Filme, boten Einblicke in die vielfältige Arbeit vor Ort und schufen einen Rahmen für fachlichen Austausch sowie gegenseitige Inspiration.

 

Im Anschluss begrüßte Cornelia Gaal (KVJS-Landesjugendamt, stellvertretende Leitung Referat 44) die Teilnehmenden und dankte der Vorbereitungsgruppe sowie den Kooperationspartnern für die gelungene Gestaltung der Tagung. Anschließend richtete Julius Elser (Vorsitzender der LAG Mobile Jugendarbeit/Streetwork Baden-Württemberg e. V.) sein Grußwort an die Anwesenden und würdigte ebenfalls das Engagement aller an der Organisation Beteiligten.

Bezugnehmend auf das Motto „Reflektiert. Verbindend. Politisch.“ hoben beide in ihren jeweiligen Grußworten die zentrale Bedeutung von Selbstreflexion als Grundlage professionellen Handelns sowie die verbindende Rolle der Mobilen Jugendarbeit für junge Menschen und gesellschaftliche Räume hervor. Dabei bewege sich Mobile Jugendarbeit stets im Spannungsfeld zwischen individueller Unterstützung und gesellschaftlicher Verantwortung. Darüber hinaus unterstrichen sie die politische Dimension des Arbeitsfeldes und machten deutlich, dass Mobile Jugendarbeit einen unverzichtbaren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zur Demokratie leistet.

 

Im anschließenden Hauptvortrag „Weaponized Neutrality“ setzte sich Jana Sämann (wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Siegen) kritisch mit dem Neutralitätsbegriff in der Jugendarbeit auseinander. Sie arbeitete heraus, dass Neutralität häufig als strategisches Argument genutzt werde, um politische Positionierungen einzuschränken. Anhand theoretischer Überlegungen und praxisbezogener Beispiele zeigte sie auf, dass Soziale Arbeit niemals vollständig neutral sein könne und dass eine reflektierte und fachlich begründete Positionierung vielmehr Teil professionellen Handelns sei. Der Vortrag regte dazu an, die eigene Praxis kritisch zu hinterfragen und politische Handlungsdimensionen bewusster wahrzunehmen.

 

Im Anschluss informierte Juliane Rath (Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg) über aktuelle Entwicklungen in der Jugendsozialarbeit des Landes. Sie ging auf Herausforderungen wie den Fachkräftemangel, steigende Anforderungen sowie die finanziellen Rahmenbedingungen ein und betonte zugleich die Bedeutung der Mobilen Jugendarbeit als verlässliche Unterstützungsstruktur für junge Menschen. Zudem unterstrich sie die Notwendigkeit, das Arbeitsfeld auch künftig fachlich und politisch zu stärken.

 

Am Nachmittag fanden verschiedene Workshops statt, die zentrale Themen der Praxis aufgriffen und vertieften. Das Spektrum reichte von politischer Positionierung in der Jugendarbeit über vielfältige Beziehungskonzepte und geschlechtersensible Arbeit bis hin zu Extremismus- und Suchtprävention. Die Workshops boten Gelegenheit zum fachlichen Austausch, zur Methodenarbeit sowie zur Weiterentwicklung des professionellen Handelns. Besonders hervorgehoben wurden der hohe Praxisbezug und die Möglichkeit, konkrete Impulse für den Arbeitsalltag mitzunehmen.

 

Der dritte Tag wurde durch den Vortrag von Dieter Meyer (Dipl. Sozialarbeiter  , langjähriger Leiter von Mutpol in Tuttlingen und Mitpionier der Stuttgarter MJA ) eröffnet. Unter dem Titel „Die Bedeutung professioneller Beziehung als Wirkfaktor“ stellte er die zentrale Rolle professioneller Beziehungsgestaltung in der Mobilen Jugendarbeit heraus und verdeutlichte anhand von Beispielen aus unterschiedlichen Praxisfeldern, dass tragfähige und vertrauensvolle Beziehungen eine wesentliche Voraussetzung für gelingende pädagogische Arbeit darstellen und maßgeblich zu deren Wirksamkeit beitragen.

 

Daran anschließend folgte das von Andreas Reuter (KVJS, Stabstelle Kommunikation) geführte Format des „Open Space", in dem die Teilnehmenden eigene Themen einbringen und in selbstorganisierten Gruppen bearbeiten konnten. Dieses offene Format ermöglichte es, aktuelle Fragestellungen aus der Praxis gemeinsam zu reflektieren, neue Perspektiven zu entwickeln und kollegiale Lösungsansätze zu erarbeiten.

 

Geprägt von Reflexion, fachlichem Austausch und politischer Auseinandersetzung setzte die Jahrestagung vielfältige Impulse für Begegnung, Inspiration und fachliche Weiterentwicklung und stärkte die Teilnehmenden in ihrer professionellen Haltung und ihrem beruflichen Handeln. Ergänzend zum Fachprogramm bot das Rahmenprogramm weitere Möglichkeiten zur Vernetzung und Reflexion. Insbesondere der von den Teilnehmenden gestaltete Inspirationstisch lud dazu ein, Erfahrungen, Ideen und persönliche Impulse miteinander zu teilen. Weitere Angebote wie der Filmabend, gemeinsame Spaziergänge, Yoga, Meditation oder der Ausklang am Lagerfeuer schufen ergänzende Räume für Begegnung, kollegialen Austausch und persönliche Reflexion und unterstützten die fachliche Auseinandersetzung über die Programmpunkte hinaus.