Geschätzte Tagesstätten

© Thomas Brenner
Im Rahmen des Forschungsprojekts „Angebote und Perspektiven von Tagesstätten für Menschen mit psychischer Erkrankung in Baden-Württemberg (APerTa-BW)“ wurden nun die vor Ort gemachten Interviews und Beobachtungen in Teilprojekt 3 ausgewertet.
Dem Forschungsbeirat wurden Ende 2025 die Ergebnisse der qualitativen Vertiefungsstudie vorgelegt, die in ausgewählten Tagesstätten durchgeführt wurde. Die Auswahl erfolgte nach größtmöglicher Vielfalt in Bezug auf Region, Trägerschaft und besondere Merkmale. Als Erhebungsmethoden dienten Interviews von Fokusgruppen und teilnehmende Beobachtung. Es bestätigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Standorten, bezogen auf Lage, Räumlichkeiten und Ausstattung, Angebote, die Versorgungslandschaft und Gemeindenähe und bei Kooperation und Vernetzung mit den Akteuren vor Ort.
Mehrheit lebt selbstständig
Die Fachkräfte, Besucherinnen und Besucher der Tagesstätten sowie Psychiatrieplanende hatten jedoch ein ähnliches Verständnis der Funktion von Tagesstätten: Sie werden als niederschwellige Orte des Miteinanders aufgefasst, deren Angebot einen Beitrag zur Alltagsbewältigung leisten, mit der Folge psychischer Stabilisierung. Alle drei Personengruppen schätzen das Angebot und würden es gerne aufrechterhalten oder sogar in verschiedenen Hinsichten weiterentwickeln. Die Befragung im Rahmen der GPV-Dokumentation 2025/26 des KVJS bestätigt wieder den langfristigen Trend, dass mehr als die Hälfte der Tagesstättenbesucher im eigenen Wohnraum lebt, mit oder ohne Unterstützung durch den Sozialpsychiatrischen Dienst. Ein Großteil der Tagesstättenbesucher bezieht daher keine Leistungen aus der Eingliederungshilfe. Mehr dazu in der Ende des Jahres erscheinenden GPV-Dokumentation.
Partizipative Forschung
Eine Besonderheit des dritten Teilprojekts liegt in der Beteiligung von Menschen mit Psychiatrieerfahrung als Forschende sowohl beim Befragungsdesign als auch bei der Datenerhebung und Datenauswertung. Schon jetzt stoßen die Ergebnisse des Forschungsprojekts nicht nur bei den Mitgliedern des KVJS, sondern auch bundesweit, auf Interesse an den Ergebnissen. Der Abschlussbericht von APerTa wird voraussichtlich im Mai dieses Jahres vorliegen. Bereits vorab geplant ist ein KVJS-Kompakt dazu mit einer Kurzpräsentation der Forschungsergebnisse. Die Abschlusstagung wird am 21. Juli 2026 in Gültstein stattfinden.