Jahrestagung der Träger und Leitungen von Einrichtungen und sonstigen betreuten Wohnformen der Hilfe zur Erziehung

am 12. und 13. März 2026, Evang. Tagungsstätte Bad Boll

 

Stellvertretend für Gerald Häcker (Dezernatsleiter KVJS-Landesjugendamt) eröffnete Michael Riehle (Referatsleiter Hilfe zur Erziehung, KVJS-Landesjugendamt) die diesjährige Tagung mit einem Überblick zu aktuellen Entwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe (KJH).

Zum Einstieg wurden in einer offenen Gesprächsrunde zentrale Herausforderungen identifiziert und diskutiert. Dazu zählte insbesondere die Notwendigkeit einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und freien Trägern im Bereich der Daseinsvorsorge. Die Refinanzierung und die Gestaltung von passgenauen Angeboten für junge Menschen – insbesondere für solche mit herausforderndem Verhalten - stellen weiterhin eine Herausforderung dar und erfordern gemeinsame Anstrengungen aller beteiligten Akteure. In diesem Zuge wurde auf den Inobhutnahme-Fachtag des KVJS-Landesjugendamts am 16.04.2026 in Bad Boll hingewiesen.

Zudem berichtete Herr Riehle über die Auswertung der Meldungen nach § 47 SGB VIII. Dabei wurde festgestellt, dass das Meldeverhalten der Träger zu Ereignissen und Entwicklungen nach § 47 SGB VIII sehr unterschiedlich ausfällt und die Quantität im Vergleich zu den Vorjahren gesunken ist. Im Plenum wurde das Thema auf Gelingen und Herausforderungen in der Praxis erörtert. Herr Riehle informierte des Weiteren über die derzeitigen Gespräche und Planungen hinsichtlich eines Einrichtungsinformationsportals für die Jugendhilfe- und Eingliederungshilfeeinrichtungen in Baden-Württemberg und lud die Teilnehmenden dazu ein, eigene Ideen und Rückmeldungen zum Vorhaben einzubringen.

 

Die Kommission Kinder- und Jugendhilfe, vertreten durch Barbara Brüchert (Der Paritätische Baden-Württemberg, Vorsitzende der KKJH) und Benjamin Lachat (Städtetag BW, Stv. Vorsitzender der KKJH), berichteten über die Zusammenarbeit im vergangenen Jahr. Im Fokus stand dabei das intensive, aber zielorientierte Ringen um die Weiterentwicklung des Rahmenvertrags nach § 78f SGB VIII. Dabei wurden Standpunkte von Leistungsträger und Leistungserbringerseite verdeutlicht und festgestellt, dass an Ergebnissen weitergearbeitet werden muss.

 

Ein zentrales Thema der Tagung war die Rolle der Medienpädagogik in (teil-)stationären Einrichtungen. Leonie Schollän und Petra Wolf der Aktion Jugendschutz – Landesarbeitsstelle Baden-Württemberg (ajs) betonten in ihrem Vortrag die Bedeutung der sozialen und digitalen Medien für junge Menschen. Soziale Medien seien eine Querschnittsaufgabe in der Kinder- und Jugendhilfe und auch die Kinder- und Jugendrechte seien auf digitale Räume übertragbar, welche die Handlungsgrundlage in der Jugendhilfe darstelle. Somit sei es notwendig, als Einrichtung eine medienpädagogische Haltung zu entwickeln und Handlungsleitlinien zum Umgang mit Medienpädagogik in den (teil-)stationären Einrichtungen festzuschreiben (als medienpädagogische Konzeption und als Teil des Gewaltschutzkonzeptes). In einem halbstündigen Austausch in Kleingruppen unterhielten sich die Teilnehmenden angeregt über ihre aktuellen Konzeptionsentwicklungen. Die ajs bietet in Kooperation mit dem KVJS-Landesjugendamt im Frühjahr 2027 die nächste Runde der mehrtägigen Fortbildung „Medienpädagogische Konzeptionsentwicklung in den Hilfen zur Erziehung“ an, zudem gibt es auf der Website der ajs einen kostenfreien E-Learning-Kurs für pädagogische Kräfte und Teams zu Themen des Kinder- und Jugendmedienschutzes.

 

Zum Abschluss des ersten Veranstaltungstages berichtete der Vorsitzende des Arbeitskreises Einrichtungsleitungen Baden-Württemberg, Herr Matthias Moser (Geschäftsführer KJMI gGmbH) aus der Runde und betonte die Bedeutung des Austauschs und des Dialogs der teilnehmenden Einrichtungen zu verschiedenen Fachthemen.

 

Zum Einstieg in den zweiten Tag warb Herr Staudenmaier (Franz von Asissi-Einrichtungen Schwäbisch Gmünd) dafür, die Möglichkeiten der Lobbyarbeit mehr zu nutzen, um die Kinder- und Jugendhilfe sichtbarer zu machen. Er stellte am Beispiel erfolgter Aktionen der „Lobby-AG“ des Caritasverbandes Baden-Württemberg verschiedene Ideen vor. Unter anderem wurde ein Factsheet erarbeitet, das mit Vertretenden aus der Politik diskutiert wurde.

 

Als ersten inhaltlichen Programmpunkt stellten Stephanie Alter-Betz und Leonie Zimmermann vom KVJS-Landesjugendamt die relevanten Neuerungen durch das „Gesetz zur Stärkung der Strukturen gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen“ vor. In der anschließenden Diskussion wurde über die Verantwortung der Träger für betreute junge Menschen sowie Umsetzungs- und Finanzierungsmöglichkeiten gesprochen.

 

Der Bericht zur „Stationären Versorgung junger Menschen in Baden-Württemberg“ wurde von den Verfasserinnen Dr. Nele Kaltenbacher und Kathrin Kratzer vorgestellt und ausgewählte Inhalte anhand von Statistiken erläutert.

Das System der Kinder- und Jugendhilfe wird sowohl von den befragten Jugendämtern als auch in Experteninterviews insgesamt als gut und qualitativ hochwertig eingeschätzt. Eine Verknappung von Plätzen, veränderte Klientel mit komplexeren Problemlagen sowie die Passgenauigkeit zwischen Einrichtung und jungem Menschen werden als Herausforderungen benannt. Zudem sind die Auswirkungen des Fachkräftemangels spürbar.

Der Bericht liefert eine übergeordnete Darstellung der Ist-Situation und kann somit als fundierte Grundlage zur Weiterentwicklung herangezogen werden. Für den Umgang mit der aktuellen Situation wird die Zusammenarbeit vor Ort sowie auf regionaler und landkreisübergreifender Ebene als empfehlenswerte Herangehensweise hervorgehoben. Zudem soll auf Landesebene an Vorschlägen zu strukturellen Veränderungsmöglichkeiten weitergearbeitet werden.

 

Zum 01. Januar 2026 ist das LKJHG in Kraft getreten. Dieses regelt die Umsetzung des SGB VIII in Baden-Württemberg. Referatsleiter des Grundsatzreferates Christoph Grünenwald stellte die für die Zielgruppe relevanten Änderungen vor und gab so einen Überblick über die rechtlichen Handlungsgrundlagen für die Jugendhilfe in Baden-Württemberg.

 

Die nächste Jahrestagung findet am 07. und 08. April 2027 in der Ev. Tagungsstätte Bad Boll statt.

Bericht aus der Kommission der Kinder- und Jugendhilfe

Digitales Aufwachsen begleiten: Medien in der (teil-)stationären Kinder und Jugendhilfe
Petra Wolf und Leonie Schollän
Aktion Jugendschutz Baden-Württemberg 

Einblicke Arbeitskreis-Einrichtungsleitungen-Sitzungen
Matthias Moser
Geschäftsführer KJMI gGmbH

Gesetz zur Stärkung der Strukturen gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen
Stephanie Alter-Betz und Leonie Zimmermann
KVJS-Landesjugendamt

Vorstellung der KVJS-Analyse: Stationäre Versorgung junger Menschen in Baden-Württemberg
Dr. Nele Kaltenbacher und Kathrin Kratzer
KVJS-Landesjugendamt

Neuerungen durch die Novellierung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes für Baden-Württemberg (LKJHG) für Einrichtungsleitungen
Christoph Grünenwald
KVJS-Landesjugendamt